Die LBV-Wildnisküche im Jahreslauf

Hier finden Sie Berichte über die Wildnisküchen-Veranstaltungen 2010. Klicken Sie auf einen der Links oder scrollen Sie die Seite nach unten, um die Berichte zu lesen.

Hollertag am Englischen Garten

(Bild: U. Dopheide)
(Bild: U. Dopheide)

LBV-Aktion zum Beginn der Holunderblüte

01.06.10: An einem regenfreien Mai-Nachmittag hatte derLBV am Rande des Englischen Gartens in München zum Beginn der diesjährigen Holunderblüte zu einem Holler-Aktionstag eingeladen. 26 Aktionsteilnehmer wurden am frisch aufgeblühten Holunderstrauch vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) zunächst mit einem Schluck erfrischendem Hollerblüten-Wasser begrüßt. Es war schon morgens mit Hollerblüten, Wasser und wenigen Zitronenscheiben angesetzt worden und führte geschmacklich behutsam in die zarten Aromen der Holunderblüten.

Anschließend pendelten die Teilnehmer zwischen zwei Stationen hin und her: Ernst Ehret hatte einen kleinen Werktisch mit Bohrern und Sägen aufgebaut, wo er geduldig und ausdauernd den Mitmachern  den Bau und Gebrauch von Hollerflöten erklärte und sie dabei auch praktisch unterstützte, so dass hier jeder zum Schluss eine selbst gebaute und funktionierende Flöte mit nach Hause nehmen konnte. Ulrich Dopheide betreute die Hollerkücherl-Backstation, wo sich über dem Wildniskocher im siedenden Fett der Pfanne jeder selbst ein Hollerkücherl heraus backen konnte. Hierzu waren die Holunderblüten jeweils vorher in einen sehr dünnflüssigen Pfannkuchenteig getunkt worden, der dann nach 20 oder 30 Sekunden zu einem goldbraun knusprigen Überzug der Holunderblüte frittiert wurde. Aufmerksame Zuhörer fand eine Geschichte aus germanischen Götterzeiten über diesen so durch und durch heimischen Strauch, ergänzt mit weiteren Informationen zu seiner Kulturgeschichte, Ökologie und Heilwirkungen. Sehr zufriedene Gesichter erzeugten auch der anschließend gereichte Hollerblütensirup, der klassisch mit viel Wasser verdünnt war und als Hollerlimonade immer noch süß schmeckte. Und natürlich der Hollerblüten-Likör, aber nur für die Erwachsenen.

Die Kinder durchbohrten derweil an der Bastelstation Holunder-Aststücke und bauten daraus Ketten, Hollerstangerl-Schlangerl und Blasrohre, mit denen sie schon nach wenig Übung das Ziel trafen, nämlich ein Windspiel, das wohlklingend jeden Treffer signalisierte. So war aus der Holleraktion dank der vielen aktiven Mitmacher ein richtiges Hollerfest geworden.  

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Löwenzahn-Aktion auf der Münchner Stemmerwiese

01.05.2010 Über 30 Teilnehmer waren am 1. Mai 2010 trotz regnerischen Wetters gekommen, als der Landesbund für Vogelschutz (LBV) mit kulinarischen, informativen und Spiel-, Spaß-, Bastelangeboten auf der Wiese und auch Vordach geschützt im Stemmerhof zum Mitmachen eingeladen hatte. Aktionsfeld war die von Löwenzahnblüten kräftig gelb prunkende Stemmerwiese in Sendling, die als eine der ganz wenigen hundefreien Wiesen in München als Paradies für Kinder wie auch für Freunde des Wildgemüses gilt.

Und so konnten hier nach Herzenslust viele Löwenzahnblüten geerntet werden, die an Ort und Stelle zu einem himmlisch frischen Löwenzahn-Blütensirup gekocht wurden. Oder die zusammen mit dem selbst hergestellten Pesto aus Löwenzahnblättern auf Butterbrot genossen werden konnten. Und manche Butterbrote waren auch mit einem zarten Löwenzahnblüten-Gelee bestrichen. Großen Anklang fanden die etwas nussig schmeckenden Blütenknospen, die vor Ort am Wildniskocher gebraten und von einem Stamperl mit krautig-elegantem Löwenzahnblütenlikör abgerundet wurden.

Die Kinder engagierten sich sehr bei Spielen und Experimenten wie Bau und Betrieb einer Löwenzahn-Pipeline aus ineinander gesteckten Blütenstängeln und beim Pusteblumensamen-Fangspiel.
Trotz des Regens gab es viele sehr positiven Rückmeldungen zu diesem rundum wohltuenden Tag.

Ulrich Dopheide

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alle Fotos: Ulrich Dopheide
alle Fotos: Ulrich Dopheide

Bärlauchführung im Englischen Garten

Alle Bilder: Ulrich Dopheide
Alle Bilder: Ulrich Dopheide

12.04.2010 Rechtzeitig zum Frühlingsanfang sprießt auch heuer wieder der Bärlauch als erstes erntereifes Wildgemüse des Frühjahres zwischen welkem Laub am Boden hervor. Man findet ihn vor allem in feuchten Laubwäldern und an Flussufern, so sind in Münchens Isarauen und auch im Englischen Garten große Bärlauchvorkommen bekannt.  

Hier verdeutlichte Herr Dopheide vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) Ende März und bei trockenem Frühlingswetter den über 40 Teilnehmern einer kleinen Exkursion die ästhetischen, kulinarischen und medizinischen Vorzüge dieser Pflanze sowie ihren kulturhistorischen Werdegang. Eingehend besprochen wurden die Gefahren, die von Verwechslungsmöglichkeiten mit den giftigen Blättern von Maiglöckchen und Herbstzeitlosen ausgehen oder die durch die ungewollte Aufnahme von Fuchsbandwurmeiern entstehen können.  

Der Bärlauch wird auch wilder Knoblauch genannt, mit dem er nahe verwandt ist. Und er riecht und schmeckt auch sehr ähnlich und ist dem Knoblauch zumindest ebenbürtig, wenn es um die gesundheitszuträglichen Eigenschaften geht.  

Der Bärlauch erhielt seinen Namen gemäß der Sage, dass dereinst die Bären nach langem Winterschlaf bärenhungrig ihre Höhle verließen und sich als erstes an den frisch ergrünten Bärlauchpflanzen labten und hierdurch zu neuen Kräften kamen. In der Tat gilt der Bärlauch auch für uns Menschen nicht nur als sehr kräftigend, er wird zudem nachdrücklich als intensive körperreinigende Frühjahrskur empfohlen: man sollte 2 bis 3 Wochen lang täglich eine Handvoll frischer Blätter essen, um die Überzeugung des Kräuterpfarrers Künzle nachzuerleben, der da sagte:" Wohl kein Kraut der Erde ist so wirksam zur Reinigung von Magen, Gedärmen und Blut wie der Bärlauch." Und schon die Römer wussten dieses Heilmittel einzusetzen bei weit fortgeschrittener Arterienverkalkung. Heutzutage ist er bei zu hohen Blutdruck- und Cholesterinwerten sowie bei Leberleiden als Heilpflanze gefragt. Zerquetschte Bärlauchzwiebeln in Milch trinkt man in kleinen Schlucken und vertreibt damit nicht nur Madenwürmer, sondern man kann hierdurch auch sonstige Unregelmäßigkeiten der Darmflora normalisieren. Bei der Ernte der Pflanzen wurde großer Wert auf Natur schonendes Vorgehen gelegt: zunächst achtet man darauf, möglichst wenige Trittschäden zu verursachen. Dann wird von jeder Pflanze nur ein Blatt gepflückt. Das andere Blatt lässt man stehen, damit es per Fotosynthese genügend Nährstoffe erzeugen kann, die in der unterirdischen Zwiebel gespeichert werden und im nächsten Frühjahr dafür sorgen, dass eine neue Bärlauchpflanze an dieser Stelle wachsen kann. Außerdem erntet man nur so viele Pflanzen, wie man wirklich benötigt und sollte auch in größeren Bärlauchvorkommen nicht der eigenen Raffgier nachgeben. Und nach alter Indianersitte lässt man bei der Ernte auch immer mindestens die Hälfte eines Pflanzenbestandes stehen. Die Exkursionsteilnehmer blieben auch weiter aktiv bei der Vorbereitung des Bärlauchs für verschiedene Geschmacksproben: frische Bärlauchblätter, gewaschen und kleingeschnitten auf Butterbrot schmeckten den Exkursionteilnehmern ausgezeichnet, noch größeren Zuspruch fand dann aber das anschließend bereitete Bärlauch-Pesto: kleingehäckselte Bärlauchblätter werden bis zur Dreiviertelhöhe in ein leeres Marmeladenglas gefüllt, ein gestrichener Teelöffel Kräutersalz, drei bis vier gehäufte Teelöffel Haselnussbrösel und zwei Esslöffel Parmesankäsekrümel hinzugemengt. Dann rührt man so viel Sonnenblumenöl hinzu, dass die Konsistenz dieses Pestos sowohl als Nudelsoße wie auch als Brotaufstrich geeignet erscheint. Als Geheimtipp gilt Bärlauch-Pesto als Geschmacksgeber für Kartoffelsalat und auch andere Salate. Im Kühlschrank hält es sich mehrere Monate, man kann es inzwischen auch schon in etlichen Naturkostläden und Reformhäusern kaufen. Zum kulinarischen Abschluss der Veranstaltung fand der Bärlauch-Schnaps großen Zuspruch, den man mit Doppelkorn, Bärlauchblättern und einer Hand voll Kandiszucker leicht selbst ansetzen kann und ihn in einem verschraubten Glas dann einfach zwei Wochen lang auf der Fensterbank ziehen lässt. Mit wachsender Vorfreude täglich schütteln, absieben und: wohl bekommts!

Ulle Dopheide

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Holler-Aktionstag am Englischen Garten

alle Fotos: Ulle Dopheide
alle Fotos: Ulle Dopheide

An einem regenfreien Mai-Nachmittag hatte der Landesbund für Vogelschutz (LBV) am Rande des Englischen Gartens in München zum Beginn der diesjährigen Holunderblüte zu einem Holler-Aktionstag eingeladen.

26 Aktionsteilnehmer wurden am frisch aufgeblühten Holunderstrauch vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) zunächst mit einem Schluck erfrischendem Hollerblüten-Wasser begrüßt. Es war schon morgens mit Hollerblüten, Wasser und wenigen Zitronenscheiben angesetzt worden und führte geschmacklich behutsam in die zarten Aromen der Holunderblüten. So manchen erstaunte, dass es auch ohne Zucker oder andere Süßstoffe so gut schmeckte.

Anschließend pendelten die Teilnehmer zwischen zwei Stationen hin und her: Ernst Ehret hatte einen kleinen Werktisch mit Bohrern und Sägen aufgebaut, wo er geduldig und ausdauernd den Mitmachern den Bau und Gebrauch von Hollerflöten erklärte und sie dabei auch praktisch unterstützte, so dass hier jeder zum Schluss eine selbst gebaute und funktionierende Flöte mit nach Hause nehmen konnte.

Ulrich Dopheide betreute die Hollerkücherl-Backstation, wo sich über dem Wildniskocher im siedenden Fett der Pfanne jeder selbst ein Hollerkücherl heraus backen konnte. Hierzu waren die Holunderblüten jeweils vorher in einen sehr dünnflüssigen Pfannkuchenteig getunkt worden, der dann nach 20 oder 30 Sekunden zu einem goldbraun knusprigen Überzug der Holunderblüte frittiert wurde.

Aufmerksame Zuhörer fand eine Geschichte aus germanischen Götterzeiten über diesen so durch und durch heimischen Strauch. Ergänzt wurde sie mit weiteren Informationen zu seiner Kulturgeschichte, Ökologie und Heilwirkungen.

Sehr zufriedene Gesichter erzeugten auch der anschließend gereichte Hollerblütensirup, der klassisch mit viel Wasser verdünnt war und als Hollerlimonade immer noch süß schmeckte. Und natürlich der Hollerblüten-Likör, dem die Erwachsenen gerne zusprachen. Die Kinder durchbohrten derweil an der Bastelstation Holunder-Aststücke und bauten daraus Ketten, Hollerstangerl-Schlangerl und Blasrohre, mit denen sie schon nach wenig Übung das Ziel trafen, nämlich ein Windspiel, das wohlklingend jeden Treffer signalisierte. So war aus der Holleraktion dank der vielen aktiven Mitmacher ein richtiges Hollerfest geworden.

Ulrich Dopheide

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Wildgemüseküche in Garching

Die Teilnehmer der Exkursion sammeln Wildkräuter...
...die zu einem ansprechendem Salat verarbeitet werden.
Hier köchelt eine Brennnessel-Giersch-Suppe.
Frittierte Wildkräuter schmecken einfach jedem!
Frittierte Wildkräuter schmecken einfach jedem!
Schokolierte Gundelreben runden das Wildgemüse-Menü ab.
Alle Foto: Ulle Dopheide
Alle Foto: Ulle Dopheide

27.04.2010 Bei schönstem Frühlingswetter fanden sich 18 Teilnehmer zur  Wildgemüseführung des Kneippvereins in Kooperation mit dem Landesbundes für Vogelschutz (LBV) in Garching ein. Schon unterwegs am Rande einer schönen alten Lindenallee blieb die Gruppe öfters stehen, weil immer wieder neue Pflanzenarten entdeckt wurden, die wegen ihres jugendlichen Wuchsstadiums zwar zum Teil noch sehr klein waren, aber doch schon als Wildgemüse genutzt werden konnten. Da stand die Brennnessel, deren starre und große Brennhaare an ihren Blättern und Blattstielen deutlich anders aussahen als die flaumweiche Behaarung der Taubnesseln, welche unsere Haut bei Berührung unverletzt lassen. Die durch Kieselsäureeinlagerungen spröden Brennnesselhaare dagegen brechen bei leichtester Berührung scharfkantig ab, bohren sich dann wie Kanülen unter die menschliche Haut und injizieren dort im selben Augenblick ihre unter Überdruck stehende Innenflüssigkeit. Deren giftige Inhaltstoffe verursachen das gefürchtete Brennen der Haut. Beim Kochen erschlaffen diese Haare und werden ganz ungefährlich, denn ihre Inhaltsstoffe wirken nur in unserer Blutbahn so garstig. Im menschlichen Verdauungstrakt werden sie einfach in ungiftige Bestandteile zerlegt.

Und der Giersch erstaunte so manch einen, ist diese Pflanze doch weithin als ein schier unausrottbares Gartenunkraut gefürchtet. Dabei ist Giersch nicht nur als Wildgemüse für die Menschen von Nutzen, sondern auch als Medizin. So vermindert ihr häufiger Verzehr deutlich die durch Gicht und Rheuma hervorgerufenen Beschwerden.

Vor allem aber zeigten sich die meisten Teilnehmer angenehm überrascht von den ganz unterschiedlichen Geschmackswelten von Löwenzahn, Schafgarbe, Spitzwegerich, Wiesenkerbel, Giersch, Brennnessel, Gundermann und Sauerampfer. Herr Dopheide vom LBV erklärte dabei jeweils ausführlich die geschmacklichen, ernährungsphysiologischen und Heilkraut wirksamen Vorzüge der diversen Wildgemüse, für einzelne Pflanzen auch deren Allergie auslösende, giftige oder andere gesundheitsgefährdenden Eigenschaften und verhängnisvolle Verwechslungsmöglichkeiten. Auch die vom Fuchsbandwurm ausgehenden Gefahren wurden ausführlich diskutiert und beim Sammeln und Verarbeiten der Pflanzen berücksichtigt.
Bei der anschließenden Ernte am Rande einer großen Obstbaumwiese wurden vor allem die zarten Spitzen der Brennnesseln und viele junge Gierschpflänzchen gesammelt. Dabei versuchten die Sammler, indianischen Erntemethoden zu entsprechen: jeder achtet darauf, möglichst wenige Trittschäden zu verursachen, immer nur hier und da etwas zu ernten anstatt nach der Methode "Kahlschlag" vorzugehen, niemals mehr als die Hälfte eines Pflanzenbestandes zu entnehmen und dabei von einer Pflanze möglichst immer nur so wenige Pflanzenteile abzuernten, dass sie sich regenerieren kann. Diese Vorgehensweisen gewährleisten, dass im nächsten Jahr an dieser Stelle wieder genauso viele Pflanzen dieser Art wachsen können und gelten deswegen im klassischen Sinne als "nachhaltig".

Von der kulinarischen Abfolge her gab es zunächst mit Wildkräutern belegte Butterbrote und einen bunten Teller mit Wildkräutersalat, dann gebratene Löwenzahnknospen, von deren nussigem Wohlgeschmack die meisten Teilnehmer sehr überrascht waren. Es folgten frittierte Wildgemüse der oben genannten Arten sowie eine Brennnessel-Giersch-Frühlingssuppe. Als Nachtisch fanden schokolierte Gundelreben großen Zuspruch und rundeten die ganze Unternehmung angenehm ab.

Ulrich Dopheide

Hier entsteht ein Holler-Schlangerl.
Leckere Hollerlimonade mit frischer Zitrone.
Blasrohrzielschießen.
Trickreiche Ernte.
Marmeladekochen am Wildniskocher.

Kornelkirschkundliche Wildnisküche

Eine trickreiche Ernte und die urige Verarbeitung der spätsommerlichen Wildfrüchte am Wildniskocher standen im Mittelpunkt dieser von Spätsommersonne beschienenen Veranstaltung des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) auf dem ÖBZ-Gelände. Dazu gab es viele Informationen zur Ökologie und Kulturgeschichte von Kornelkirsche, Holunder, Vogelbeere und Co sowie einen regen Erfahrungsaustausch zwischen den über 20 Teilnehmer/innen.

Die Tricks: die Kornelkirschen werden einfach vom Strauch herunter geschüttelt, wobei sich nur die reifen Früchte abschütteln lassen. Man muss also ein altes Bettlaken darunter legen oder zu viert darunter halten und so kann man in Windeseile ein kleines Eimerchen voll mit diesen etwas säuerlichen Früchten ernten, die dann allerdings als Marmelade ihr wundervolles Aroma im Süßemantel des Gelierzuckers 2:1 zu sehr delikater Entfaltung bringen. Unsere Gruppe kochte diese Marmelade unter freiem Himmel am Wildniskocher, der mit seinem rauchigen Lagerfeuer-Ambiente eine zusätzliche Bereicherung der Aktion darstellte. Zuvor waren mit lang gestielten Astscheren hoch hängende Früchte von Holler und Vogelbeere abgeschnitten worden, die von einem zweiter Erntehelfer sofort mit einem darunter gehaltenen lang gestielten Apfelklauber aufgefangen wurden. Zu alledem gab es jeweils unter den Frucht tragenden Sträuchern nicht nur den Geschmack ihrer rohen Früchte zu kosten, sondern außerdem ein Löffelchen mit der entsprechenden Marmelade oder dem Gelee zu genießen. Die säuerlichsten Minen erzielte die Vogelbeermarmelade, den größten Zuspruch fand hierbei das Hagebuttenmus. Die sehr zufriedenen Teilnehmer konnten schließlich Kostproben von der selbst gekochten Kornelkirschmarmelade sowie Rezeptblätter für all die verschiedenen Wildfrucht-Marmeladen des Herbstes mit nach Hause nehmen.

Die Kornelkirsche ist Nahrung für Mensch und Tier.
Musererzeugung mit Flotter Lotte und Kartoffelstampfer.
Abfüllung zur Mitnahme.

Wildfrüchte-Tee und Eichelkaffee unter Eichen

Die Zubereitung des Wildfruchttees erfordert einige Muskelkraft.
Die Teilnehmer der Führung warten gespannt auf den heißen Eichelkaffee.
Eine steinzeitliche Speise bestehend aus Eichelmus und Wildfruchtkompott. Alle Fotos: Ulrich Dopheide
Eine steinzeitliche Speise bestehend aus Eichelmus und Wildfruchtkompott. Alle Fotos: Ulrich Dopheide

Auch heuer veranstaltete der Landesbund für Vogelschutz (LBV) an einem der letzten sonnigen Tage mit  seinem ungewöhnlichen Herbstspaziergang ein interessantes Doppel: die reifen Wildfrüchte dieser Jahreszeit werden an einer abwechslungsreichen Hecke gefunden, namentlich bestimmt, in bekömmlich bzw. in giftig oder schlecht schmeckend unterschieden und dem entsprechend gesammelt: aufgefundene  Früchte von Holunder, Kornelkirsche, Weißdorn, Heckenkirsche und Schlehe werden gesammelt und dann gewaschen und  gequetscht. Bei der Sammlung werden immer mindestens die Hälfte der Früchte als Nahrung für die Tierwelt, insbesondere für die Vögel, hängen gelassen. Manche Früchte des Herbstes werden von Menschen und Tieren gleichermaßen geschätzt, andere sind – wie zum Beispiel das Pfaffenhütchen – für Menschen hochgiftig und werden von der Vogelwelt als Futterquelle gleichzeitig hoch geschätzt. Das von uns sortierte Erntegut wird nach der Bearbeitung mit dem Kartoffelstampfer samt einigen Blättern der Pflanzen am Wildniskocher aufgekocht und dann ohne Süßungsmittel als Früchte-Tee ausgeschenkt. Das schmeckt sogar den mit diversen Aromen verwöhnten Kinderzungen!

Anschließend wird aus klein gemahlenen und gerösteten Eicheln ein Eichelkaffee gebraut, der dann vor allem die älteren Teilnehmer an Kriegszeiten erinnert, wo dieser Bohnenkaffee-Ersatz wenigstens geschmacklich ein Kaffee ähnliches Aroma erzeugen sollte – wenn auch ohne jegliches Koffein. Für unsere steinzeitlichen Vorfahren galt dieses Getränk und auch der Kaffeesatz – ein Eichelbrei! – als wesentlicher Nahrungsbestandteil. Heutige Zeitgenossen akzeptieren den Eichelkaffee meist erst nach Milch- und Zuckerzugabe einigermaßen wohlwollend. Wird der Eichelkaffee jedoch mit Zucker, Alkohol und Sahne zu einem Eichellikör veredelt, zeigen sich auch wählerische Gourmets begeistert, wie der steinzeitliche Eichelgeschmack auch unsere neuzeitlich verwöhnten Gaumen genüsslich aufblitzen lässt.        

Kulturgeschichtliche Nutzungen der Eiche als Bauholz sowie als einer der wichtigsten Futterlieferanten für die mittelalterliche Waldweide für Schweine, Rinder, Schafe und Ziegen werden im Kapuzinerhölzl in Obermenzing vegetationsgeschichtlich und anschaulich an rudimentären Resten sichtbar gemacht. Parallel hierzu wurde vor Ort aus Eichenrinde Lohe hergestellt, die zum heftig stinkenden Gerben von Tierfellen verwendet wurde. Auch dies wird  ausführlich – allerdings nur mit Worten – auf der LBV-Führung ausführlich beschrieben.   

Ulrich Dopheide

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Wildniskocher-Test

Wildniskocher-Praxistest (Bild: U. Dopheide)
Wildniskocher-Praxistest (Bild: U. Dopheide)

Welches Modell kocht am besten?

13.11.10: Die neue Gruppe der  oberbayerischen LBV-Wildnisköche testete in einem Praxis-Vergleich die Leistungsfähigkeit verschiedener Wildniskocher-Typen. Ihr Ergebnis: die 700 ml-Dose (Supermarkttyp) war trotz Luftlöchern zu klein war, um ein kochfähiges Feuer zu erzeugen. Größere Dosen von der ungefähren Größe 16x16 cm waren dagegen effizient. Sie erreichten fast die Leistung eines klassischen HOBO-Wildniskochers (im Fachhandel für 80 Euro).

Noch leistungsstärker erwies sich ein etwa doppelt so großer HOBO-Kocher, der aber auch entsprechend mehr Brennmaterial verbraucht und weniger leicht zu transportieren ist.

Wildnis-Kocher werden mit herumliegenden Holz- oder Rindenreste befeuert, etwa so groß wie ein Bleistift oder eine Zigarre. Erfunden wurde dieser Kochertyp vor etwa 100 Jahren von nordamerikanischen Wanderarbeitern, den Hobos. Sie mussten sich unterwegs ihr Essen kochen. Hierzu schnitten und bohrten sie in alte, leere  Konservendosen einige  Luftlöcher, sodass mit herumliegenden Kleinholzresten die Blechdose als Wildniskocher verwendet werden konnte.

Der Test geschah im Rahmen der Abschlussprüfung zum ersten Ausbildungsjahr der LBV-Wildnisköche-Fortbildung. Stilecht vor einem Tipi in Münchens Stadtmitte mit  theoretischer und der praktischer Abschlussprüfung.

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