Mehr Artenvielfalt von Ammersee bis Zugspitze

Das Hotspot-Projekt Alpenflusslandschaften

Ein großangelegtes Projekt soll die Artenvielfalt entlang der Alpenflüsse Ammer, Isar, Loisach und Lech wieder verbessern. Bedrohte Vogelarten wie der Kiebitz sollen so wieder ein Zuhause finden, die Bedingungen für seltene Pflanzen werden verbessert und die Flussseeschwalbe soll wieder zurückkehren.

Wildfluss Ammer Foto: U. Dopheide
Wildfluss Ammer Foto: U. Dopheide

Mit einem groß angelegten Projekt will der LBV zusammen mit 17 Partnerorganisationen die Artenvielfalt an den in den Alpen entspringenden Flüssen Ammer, Isar, Loisach und Lech ins Bewusstsein rücken und verbessern. Unter Federführung des WWF ist es nach zweieinhalbjähriger Vorarbeit gelungen, das Projekt „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze“ auf den Weg zu bringen. Es umfasst zwei so genannten Hotspot-Regionen der Biologischen Vielfalt, durch die Ammer, Isar, Loisach und Lech ins Alpenvorland fließen. Bundesweit hat das Bundesamt für Naturschutz 30 solcher Hotspot-Regionen mit besonders hoher Artenvielfalt identifiziert. Aus dem Bundesprogramm für Biologische Vielfalt wird nun das LBV-Hotspot-Projekt für sechs Jahre mit rund 3,5 Mio € gefördert. Der Bayerische Naturschutzfonds steuert rund 700.000 € bei und ca. 460.000 € tragen die Projektträger als Eigenanteil bei. Im Rahmen des Hotspot-Projekts gestaltet der LBV sieben Teilprojekte und wirkt bei einem weiteren als Partner mit. Im Folgenden sollen zukünftige Aktionen, Projekte und Maßnahmen des LBV für die Alpenflusslandschaften vorgestellt werden. 

Durch den Umbau der Ammer hat sie sich im Unterlauf von 27 km Länge auf 12 km verkürzt. Alle ehemaligen Flussschleifen wurden bei der Ammerkorrektion 1923 abgeschnitten. Vom ursprünglichen Reichtum an Altarmen, Altwässern, Flutrinnen und Kleingewässern, die je nach Wasserstand und Niederschlag periodisch Wasser führten, ist nur wenig übrig geblieben. Als Partner der Schutzgemeinschaft Ammersee trägt der LBV dazu bei, dass verloren gegangene Lebensräume neu entstehen. Dazu werden neue Kleingewässer geschaffen, Flachwassermulden angelegt und Entwässerungsgräben aufgeweitet oder rückgestaut. Diese Maßnahmen kommen dem Laubfrosch und dem kleinen Teichfrosch, Libellen und vielen anderen Insekten, sowie der Vogelwelt im Ammerseebecken zugute: Brachvogel, Kiebitz, Schwarz-, Braun- und Blaukehlchen und dem Weißstorch. Die Attraktivität des Lebensraums für die vielfältigen Zugvögel wird ebenfalls steigen. Im Zuge der Förderung konnten wir auch eine Personalstelle in unserer Geschäftsstelle Wolfratshausen einrichten: Fabian Unger leitet die Anlaufstelle für Isar und Loisach und koordiniert sämtliche an diesen Flüssen stattfindenden Projekte. 

Dazu zählt neben den LBV-Projekten z.B. auch das Weideprojekt Isar-Auen des Isartalvereins mit dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Mit Ziegenbeweidung soll der Artenreichtum speziell der mageren und trockenen Auenstandorte wieder hergestellt und erhalten werden. Unsere Geschäftsstelle Wolfratshausen fungiert als Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger und die regionalen Medien. Die LBV-Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen nimmt sich im Rahmen des Projekts der besonders gefährdeten und schützenswerten Hangquellmoore an den Isarleiten an. Sie wird die Eigentümer und die Öffentlichkeit über den Wert und erforderliche Schutz- und Erhaltungsmaßnahmen informieren. Ziel ist, von möglichst vielen Eigentümern das Einverständnis für die Pflege zu erhalten. Mit einem eigens angeschafften Balkenmäher können dann die Lebensbedingungen für die speziellen Artengemeinschaften verbessert werden. Hierzu zählen die gestreifte Quelljungfer, das Gemeine Starknervmoos und die Orchidee Sumpf-Glanzkraut. 

Flussseeschwalbe Foto: Z. Tunka LBV Bildarchiv
Flussseeschwalbe Foto: Z. Tunka LBV Bildarchiv

Flussseeschwalbe zurück am Fluss

Diese einstmals an allen Flüssen des Alpenvorlandes auf Kiesbänken brütende Vogelart hat 1982 letztmals an einem Fluss erfolgreich gebrütet: An der Isar in der Pupplinger Au. Genau dort wollen wir ermöglichen, dass der grazile Vogel sich wieder ansiedelt. Es handelt sich um eines der wenigen Gebiete, in denen die Isar ihre wilde Flussdynamik entfalten kann und ein verzweigtes System von Flussarmen bildet. Bei jedem Hochwasser bilden sich neue Kiesbänke, die den Startpunkt für eine Lebensgemeinschaft von Pionieren wie beispielsweise Flussregenpfeifer und Flussseeschwalbe bilden. Der kürzlich erfolgte Brutversuch eines Flussseeschwalbenpaares in der Pupplinger Au gibt Hoffnung, dass die von Heribert Zintl konzipierten unterstützenden Maßnahmen zur Wiederansiedlung der einstigen Charakterart an der Isar führen. 


Blaues Band - Ausschnitt Foto: M. Kühn
Blaues Band - Ausschnitt Foto: M. Kühn

Das Blaue Band – die Ammergemeinden „bandeln an“

In diesem Projekt bewegen wir alle Anrainergemeinden an der Ammer zu einer gemeindeübergreifenden Zusammenarbeit für die nachhaltige Entwicklung der Ammerlandschaft. In jeder Gemeinde laden wir gesellschaftliche Gruppen zu einer kreativen Auseinandersetzung mit der Ammer oder einem Zufluss in ihrem Gebiet ein. Sie erleben  mit unserer LBV-Umweltpädagogin Julia Prummer ihr Gewässer und gestalten zusammen mit einer Künstlerin ihr blaues Band, eine etwa 5 m lange Stoffbahn. Bei einem großen Event im Sommer 2016 kommen alle Gruppen,  Bürgermeister und Landräte zusammen und knüpfen in  einer symbolträchtigen Aktion aus allen Bandabschnitten das große Blaue Band. Damit bekennen sie sich zur Vision  naturnahe Ammerlandschaft. Am selben Tag findet ein Fachsymposium statt, in dem die Hauptakteure im Ammerraum die Leitlinie für eine nachhaltige Entwicklung aus unterschiedlichen Perspektiven vorstellen und diskutieren. Die so eingeläutete Zusammenarbeit wird in einem jährlich stattfindenden Runden Tisch mit Bürgerdialog fortgesetzt.  


Sibirische Schwertlilie Foto: C. Niederbichler LBV Bildarchiv
Sibirische Schwertlilie Foto: C. Niederbichler LBV Bildarchiv

Internetflora Ammersee

Wir werden die biologische Vielfalt im Ammerseegebiet am Beispiel der höheren Pflanzen erforschen und vermitteln. Dr. Sabine Rösler wird ein ehrenamtliches Kartiererteam aufbauen. Auch Laien werden qualifiziert, interessante Pflanzenarten im Gebiet zu bestimmen und einen Beitrag zur Erfassung der besonders reichhaltigen Flora im Ammerseegebiet zu leisten. Ein einfach zu bedienendes Programm im Internet erleichtert die Eingabe und Verarbeitung der Funddaten.  


Erforschung von Wassertieren Foto: J. Prummer
Erforschung von Wassertieren Foto: J. Prummer

Abenteuer Ammer und Umweltbildung an der Isar

Die Naturschätze an Ammer und Isar bringen sechs Umweltpädagoginnen der Bevölkerung in der Hotspot-Region näher. Schülerinnen und Schüler bekommen einen neuen Zugang zu ihrem Heimatfluss. Sie lernen den Reichtum an Lebensräumen, Tier- und Pflanzenarten, aber auch der Geschichte kennen, den Ammer und Isar zu bieten haben. Die Angebote reichen von „Tischlein deck dich“ – Wildkräuter an der Ammer über Wasserkraft-Experimente für Väter und Kinder und „Extremlebensraum Kiesbank: seltene Einwanderer, Durchreisende und Spezialisten“ bis hin zu Projekttagen zum Thema virtuelles Wasser.