Landesweite Kartierung der Wiesenbrüter in Bayern

Im Auftrag des LfU sollen 2021 Brachvogel, Rotschenkel, Uferschnepfe und Co. erfasst werden

Alle Bilder sind dem LBV Bildarchiv entnommen,  Fotos von: Rosl Roessner, Dr. Christian Moning, Frank Derer, Andreas Hartl, Markus Glaessel, Zdenek Tunka, Martin Thoma

Kartieranleitung zur landesweiten Wiesenbrütererfassung in Bayern 2021

Unter dem Begriff Wiesenbrüter, der alle im Grünland am Boden brütenden Arten umfasst, sind dabei im Sinne der Wiesenbrüterkartierung speziell die Arten: Großer Brachvogel, Uferschnepfe, Rotschenkel, Kiebitz, Bekassine, Wachtelkönig, Braunkehlchen, Wiesenpieper und Grauammer zu verstehen. Von den berücksichtigten Arten gelten Bekassine, Braunkehlchen, Grauammer, Brachvogel, Rotschenkel, Uferschnepfe, Wachtelkönig und Wiesenpieper in Bayern als „vom Aussterben bedroht“ (Rote Liste 1), Wachtelkönig und Kiebitz sind stark gefährdet (Rote Liste 2).

Der Schwerpunkt der Erhebungen liegt wie bei vorhergehenden Untersuchungen auf der Revierkartierung und der Erfassung des Bruterfolges von Brachvogel, Rotschenkel und Uferschnepfe. Ein besonderes Augenmerk wird ebenso auf die kleinen Arten wie Braunkehlchen und Wiesenpieper gelegt, da sich hier ein markanter Bestandsrückgang im Rahmen der letzten Wiesenbrüterkartierungen abzeichnete und auch die Ergebnisse weiterer Studien einen solchen Rückgang zeigen. Um insbesondere auch Erkenntnisse über die Vorkommen des Kiebitzes zu erhalten, wird erstmals auch die Erfassung dieser Art in Gebieten einer Feldvogelkulisse 2020 durchgeführt.

Weitere Arten wie Wachtel, Wiesenschafstelze, Feldlerche u. a. brüten zwar auch am Boden im Grünland, wurden aber bei den bisherigen landesweiten Wiesenbrüterkartierungen nicht standardisiert erfasst, sondern in Form von Beibeobachtungen notiert. Dies ist im Zuge der Erhebungen 2021 ebenso zu handhaben.

Methodik der Kartierungen

Jede Kartiererin und jeder Kartierer erhält Luftbilder mit den bei den vorhergehenden Kartierungen ermittelten Brutgebieten beziehungsweise sonstigen Erwartungsgebieten (Wiesenbrüterkulisse 2018). Auf den Luftbildern wurden Revierzentren der Wiesenbrüter der Kartierungen von 2014/15 zur Information eingetragen. Außerdem wird den Kartierer*innen der Bericht der landesweiten Wiesenbrüterkartierung 2014/15 zur Verfügung gestellt. Eine Kartierungsanleitung mit Meldebogen (Anhang) und topographischen Karten (TK25) werden für die Eintragung der Kartierungsergebnisse und eventuelle Neuabgrenzungen von Gebieten zugeschickt. Alle Zielarten sollen möglichst flächendeckend erfasst werden. Die ungefähre Lage der Brutplätze bzw. Revierschwerpunkte der zu erfassenden Arten sollen, ebenso wie bei den vorhergehenden Kartierungen, über mindestens vier Begehungen von März bis Juli quantitativ erfasst werden. Eine direkte Kontrolle der Nistplätze soll jedoch aus Artenschutzgründen unterbleiben. In grenzüberschreitenden Wiesenbrütergebieten z.B. im Grenzstreifen zwischen Unterfranken und Thüringen, wird darauf geachtet, dass nur Brutpaare mitgezählt wurden, deren Revierzentren auf bayerischer Seite liegen.

Zusätzlich zur Kartierung der Revierzentren, soll nach Möglichkeit der Bruterfolg für Großen Brachvogel, Rotschenkel und Uferschnepfe miterfasst werden. Selbstverständlich sollen aber Beobachtungen zum Bruterfolg (Anzahl flügger Jungvögel pro Brutpaar) auch außerhalb der Wertungsgrenzen berücksichtigt werden. Um eine gute Vergleichbarkeit zu den bisherigen Kartierungen zu gewährleisten, sollen möglichst alle bekannten Brachvogel-Brutgebiete abdecken werden.

Nachweiskategorien und Nachweisarten.

Bei der Einstufung der einzelnen Brutpaare wird nach den „Methodenstandards zur Erfassung derBrutvögel Deutschlands“ (SÜDBECK et al. 2005) vorgegangen. Die ausführlichen Kriterien für die zukartierenden Arten finden sich im Anhang. Generelle Nachweiskategorien und –arten können der folgenden Aufstellung entnommen werden:

A: möglicherweise brütend (Brutzeitfeststellung)

1. Arten, zur Brutzeit in gemäßem Lebensraum beobachtet

2. Singende Männchen, Paarungs- oder Balzlaute zur Brutzeit

B: wahrscheinlich brütend (Brutverdacht)

3. Ein Paar während der Brutzeit in gemäßem Lebensraum

4. Revier mindestens nach einer Woche noch besetzt

5. Paarungsverhalten und Balz

6. Wahrscheinlichen Nistplatz besuchend

7. Verhalten und Rufe deuten auf Nest oder Jungvögel

8. Gefangener Altvogel mit Brutfleck

9. Nestbau oder Anlage einer Nisthöhle

C: sicheres Brüten (Brutnachweis)

10. Altvogel verleitet

11. Benutztes Nest oder Eischalen gefunden

12. Eben flügge Junge oder Dunenjunge festgestellt

13. Brüten bzw. fliegen zum oder vom (unerreichbaren) Nest

14. Altvogel trägt Futter oder Kotballen

15. Nest mit Eiern

Nachweise der Kategorie „möglicherweise brütend“ (A) werden zwar mit aufgenommen, jedoch nicht als Brutpaar gezählt. Eine Ausnahme bildet der Wachtelkönig. Bei dieser nachts rufenden Art ist es schwer, einen Brutnachweis zu erbringen, sodass hier auch Brutzeitfeststellungen (A) mit in die Auswertung einfließen.

Wertungsgrenzen und Begehungstermine

Den Methodenstandards von SÜDBECK et al. (2005) entsprechend, werden Wertungsgrenzen eingeführt und Begehungstermine vorgeschlagen (Tab. 1). Diese Wertungszeiträume, die ausschließlich der Ermittlung von Brutpaarzahlen dienen, sollten verhindern, dass singende Durchzügler, Umsiedlungen und Nachgelege zu Doppelzählungen führen. Auf die Gefahr der Kartierung von Durchzüglern wurde insbesondere bei zwei Kartiererschulungen (Altmühltal bei Gunzenhausen und Freisinger Moos) im Frühjahr 2014 und auf der Homepage des LfU hingewiesen.