Der große Brachvogel (Numenius arquata) ist der größte Vertreter aus der Familie der Schnepfenvögel. Mit 50 bis 60 Zentimeter Größe entspricht er etwa einem Haushuhn.
Der große Brachvogel (Numenius arquata) ist der größte Vertreter aus der Familie der Schnepfenvögel. Mit 50 bis 60 Zentimeter Größe entspricht er etwa einem Haushuhn.

Absturz der Wiesenbrüter

Die Bestände der Wiesenbrüter schrumpfen seit Jahren. Selbst in langjährigen Schutzprojekten gelingt eine Stabilisierung der Bestände nur mühsam. Ortstermin im Alpenvorland

Idylle einer Moorlandschaft
Idylle einer Moorlandschaft

Der Arbeitsplatz von Ingo Weiß lässt so manchen, der tagein, tagaus im Büro sitzt, vor Neid platzen: Der Ornithologe dokumentiert in den Loisach-Kochelsee-Mooren (LKM) die Artenvielfalt. Das 4185 Hektar große Vogelschutzgebiet liegt idyllisch eingebettet zwischen Kochelsee und Penzberg und gehört zu einer der herausragenden Moorlandschaften Oberbayerns.

Es ist Ende März, im Hintergrund ist die schneebedeckte Benediktenwand zu sehen, nicht weit von hier fließt die Loisach durch das Alpenvorland. „Wir haben hier noch rund 800 Hektar artenreiche Streuwiesen wie Pfeifengraswiesen sowie wertvolle Flächen magerer Flachlandmähwiesen“, sagt Weiß. „Auf diesen feuchten Moorböden kommen echte Raritäten vor wie die Sibirische Schwertlilie, Mehlprimeln, Sumpfgladiolen und seltene Schmetterlinge wie der Wiesenknopf-Ameisenbläuling und eine Vogelvielfalt von über 250 Arten. Darunter auch seltene Wiesenbrüterarten, die genau diese Feuchtwiesen als Lebensraum brauchen.“ Man merkt, der 45-Jährige lebt in Benediktbeuern und kennt das Gebiet seit 17 Jahren. Dieses Jahr hat sein Kartierungsauftrag einen ernsten Hintergrund: Die Wiesenbrüterbestände sind in den letzten Jahren massiv eingebrochen.

Eine Wette auf die Zukunft: Nur wenn mindestens eines der Gelege durchkommt, werden auch weiterhin Brachvögel am Himmel zu sehen sein. Foto: E. Wölfl
Eine Wette auf die Zukunft: Nur wenn mindestens eines der Gelege durchkommt, werden auch weiterhin Brachvögel am Himmel zu sehen sein. Foto: E. Wölfl

Sobald das „Verschlechterungsverbot“ gebrochen wird, also der nachweisliche Rückgang einer Art in einem durch die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) oder die europäische Vogelschutzrichtlinie (SPA) geschützten Gebiet eintritt, müssen die Behörden handeln. Denn die Regierung hat sich im Rahmen des Biodiversitätsprogramms 2030 zum Erhalt lebensfähiger Wiesenbrüterpopulationen verpflichtet. Nun sollen Wiesenbrüterarten und ihr Bruterfolg erfasst und bestehende Schutzmaßnahmen erweitert werden. Dafür sind bereits im letzten Jahr bisherige und neue Akteure in einer „Wiesenbrütersteuerungsgruppe“ zusammengerückt. Das Team besteht aus Wissenschaftlern wie Weiß, fachlichen Beratern des Landesamts für Umwelt, den Zuständigen der Naturschutzbehörden sowie ehrenamtlichen Wiesenbrüterberatern, Naturschutzwächtern und Aktiven des Landesbunds für Vogelschutz in Bayern (LBV). Diese „Wiesenbrüter-Taskforce“ hat bereits langfristige, also lebensraumverbessernde Maßnahmen angestoßen sowie Sofortmaßnahmen, um die Sterblichkeit zu reduzieren. Im Mittelpunkt stehen dabei die Zusammenarbeit mit den Landwirten, Besucherlenkung sowie der Schutz vor (Fress-)Feinden. So stellen beispielsweise Mäharbeiten eine Gefahr dar, bei denen Nester oder noch flugunfähige Jungvögel zerhäckselt werden können. Auch Fuchs oder Iltis sowie freilaufende Hunde können Gelege und Jungtiere erbeuten. Es ist ein komplexes Unterfangen mit vielen Stellschrauben.

Schon im März kommen die Brachvögel aus ihren Überwinterungsgebieten zurück. Foto: M. Thoma
Schon im März kommen die Brachvögel aus ihren Überwinterungsgebieten zurück. Foto: M. Thoma

Plötzlich ertönen Rufe, die für den Ungeübten seltsam klingen. Sie stammen von einem Schwarm hellbrauner Vögel, die in einiger Entfernung über das Moos fliegen. Tlüih, tlüih, tlüih! Es ist ein Dutzend Großer Brachvögel. Ihre Rufe klingen flötend. Als sie zur Landung ansetzen, geht ihr Ruf in ein Trillern über. „Eine unverwechselbare, wunderschöne Melodie!“, sagt Weiß.

Mit seinem braunen Gefieder und dem markanten Schnabel sieht der Brachvogel ein wenig aus wie ein zu groß geratener neuseeländischer Kiwi. Diese bayerischen Ureinwohner können allerdings fliegen, und zwar ganz schön schnell und weit. In zwei Tagen schaffen sie es nach Portugal ins Winterquartier, aus dem sie Anfang März zurückkehren. Weiß ist froh, dass die Vögel wieder heil aus Südeuropa zurück sind. Die Loisach-Kochelsee-Moore zählen zu den bedeutendsten Wiesenbrütergebieten in Bayern. Fünf von bayernweit neun Wiesenbrüterarten kommen in diesem Vogelschutzgebiet vor, das den Schutzstatus „Special Protected Bird Area“ trägt und zum Europäischen Schutzgebietsnetzwerk Natura 2000 gehört. Neben dem Großen Brachvogel brüten hier Kiebitze, Braunkehlchen, die Bekassine und der Wiesenpieper – und bis vor zwei Jahren noch der

Wachtelkönig. Allesamt stehen sie auf der Roten Liste als „vom Aussterben bedroht“ oder „stark gefährdet“. „Die Zahl der Brutpaare des Großen Brachvogels hat sich hier im Gebiet seit 1987 mehr als halbiert, die des Braunkehlchens ist um ein Drittel eingebrochen. Der Wachtelkönig kann seit zwei Jahren nicht mehr nachgewiesen werden“, so Weiß. „Der schlechte Bruterfolg des Brachvogels macht uns Sorgen: Von sechs verbliebenen Paaren im gesamten Vogelschutzgebiet, konnte 2019 nur ein einziges Jungtier dokumentiert werden, das es bis ins flügge Alter geschafft hat.“ Das reiche nicht aus, um die lokale Population zu erhalten.

 

Schleichendes Verschwinden

Die Schönheit blühender Wiesen kann nicht darüber hinweg täuschen, dass Wiesenbrüter selbst hier Not leiden.
Die Schönheit blühender Wiesen kann nicht darüber hinweg täuschen, dass Wiesenbrüter selbst hier Not leiden.

Doch was läuft schief in dem Vorzeigegebiet für Arten- und Biotopschutz? Mit etwa 800 Hektar Streuwiesen bilden die LKM europaweit einen Schwerpunkt der Streuwiesenbewirtschaftung und belegen, wie Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand arbeiten können. Einst aufgegebene Streuwiesen wurden seit 1994 verstärkt durch das international ausgezeichnete Modellprojekt „Landschaftspflegehöfe“ wieder naturverträglich gepflegt. Bedeutet: Die einmalige Mahd im Herbst erhält die Artenvielfalt und den Lebensraum für Wiesenbrüter. Teilnehmende Landwirte stellten ihre Stallhaltung auf die traditionelle Einstreu um. Ein wichtiger Beitrag, denn in Bayern sind nur noch zwei Prozent der Streuwiesen in einem guten Zustand. Selten geworden ist auch artenreiches, strukturreiches Grünland, das nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht wird und keinen bis wenig Dünger erhält: die traditionelle Heuwiese. Doch die Realität ist ernüchternd: Erkenntnisse langjähriger Artenschutzarbeit in Bayern zeigen, dass auf mindestens zwei Dritteln der Wiesen in einem Wiesenbrüterschutzgebiet aktiv etwas zum Lebensraumerhalt getan werden muss. Andernfalls ist eine Stabilisierung der Bestände nicht zu erreichen. Selbst das Vogelschutzgebiet in den LKM bietet nur in gut einem Drittel seiner Wiesenflächen tatsächlich geeigneten Lebensraum. Auch hier wird das Grünland immer intensiver bewirtschaftet.

 

Auch kleine Vögel, wie das Braunkehlchen sind stark vom Artenrückgang betroffen. Foto: M. Thoma
Auch kleine Vögel, wie das Braunkehlchen sind stark vom Artenrückgang betroffen. Foto: M. Thoma

Der Negativtrend der Wiesenbrüter ist kein lokales Phänomen, sondern seit Jahrzehnten auch deutschlandweit und sogar europaweit zu beobachten. Mit Blick auf die Situation aller Brutvögel in Deutschland weisen – laut Agrarreport des Bundesamtes für Naturschutz – die Agrarvögel die bei Weitem größten Rückgänge auf. Darunter fallen auch die Wiesenbrüter. Seit 1980 sind die Bestände in Deutschland um 78 Prozent eingebrochen, europaweit um 48 Prozent. Die des Kiebitzes sind zwischen 1990 und 2013 um 80 Prozent zurückgegangen, die der Uferschnepfe um 61 Prozent, des Braunkehlchens um 63 Prozent. Es sind Zahlen des Scheiterns.

Die Ursachen dieses Rückgangs sind seit Jahren bekannt. Wiesenbrüter bevorzugen feuchte, artenreiche Magerwiesen und Weiden mit offenem Landschaftscharakter. Also möglichst ohne Gehölze, die Greifvögeln Ansitzmöglichkeiten oder Raubsäugern Unterschlupf bieten. Die Vögel brauchen weitläufig Übersicht. Auf die traditionelle Landwirtschaft und die damit verbundene Landschaftspflege sind sie sogar angewiesen. Doch die zunehmende intensive Bewirtschaftung des Grünlands hat in den letzten Jahrzehnten zu einer dramatischen Veränderung geführt: Durch das Entwässern von Feuchtwiesen über Drainagen und Gräben für die landwirtschaftliche Nutzung ist ein Großteil des Lebensraums vernichtet worden. „Der Rückgang der Arten ist vor allem auf die immer mehr auf Ertragsmaximierung ausgerichtete intensive Landwirtschaft zurückzuführen“, erklärt Elisabeth Wölfl, Leiterin der Bezirksstelle Oberbayern beim Landesbund für Vogelschutz. Die Ingenieurin für Landschaftspflege befasst sich seit Jahrzehnten mit dem Schutz artenreicher Wiesen. Das häufige Mähen und das intensive Düngen mit Gülle in Kombination mit dem Einsäen von eiweißreichem Weidelgras hätten viele artenreiche Wiesen mit bis zu 48 Pflanzenarten in monotones, strukturarmes Grünland ohne biologische Vielfalt verwandelt, so Wölfl.

 

Der Kiebitz galt früher als Allerweltsvogel. Heute sieht man ihn oder gar seinen Nachwuchs nur noch selten. Foto: V. Rupprecht
Der Kiebitz galt früher als Allerweltsvogel. Heute sieht man ihn oder gar seinen Nachwuchs nur noch selten. Foto: V. Rupprecht

Folglich weichen die Bodenbrüter auch auf intensiv genutztes Wirtschaftsgrünland aus. Allerdings lauern hier viele Gefahren: Durch das Walzen und Schleppen im März gehen bereits die ersten Gelege verloren. Die zumeist Anfang Mai erfolgende erste Mahd geht mit Verlusten der noch nicht flüggen Jungvögel einher, die bei den schnellen und flach ansetzenden Kreiselmähwerken schlicht keine Chance haben.

Hinzu kommt, dass stark gedüngte Wiesen viel dichter wachsen und sich in artenarme Fettwiesen verwandeln. Die winzigen, flaumigen Jungtiere können sich in dichten Gräsern auf der Futtersuche kaum fortbewegen. Viele Wiesenbrüter sind Nestflüchter wie der Große Brachvogel oder auch der Kiebitz. Nach dem Schlupf aus dem Ei folgen sie den Alttieren auf der Futtersuche und fressen von Anfang an selbstständig. Ist die Wiese zu dicht und am Boden zu kalt, ist das genauso lebensbedrohlich wie ein zu trockener, harter Boden, in dem ihr kleiner kurzer Schnabel keinen Regenwurm erbeuten wird. Die zunehmenden Hitzesommer verstärken die künstliche Trockenlegung der Feuchtwiesen noch zusätzlich.

 

Das Echo der Flurbereinigung

Durch die Flurbereinigung der letzten Jahrzehnte entfallen außerdem überlebenswichtige Versteckmöglichkeiten wie Altgrasstreifen und so haben Prädatoren leichteres Spiel, ein Gelege oder noch flugunfähige Jungtiere zu erbeuten. Schlägt dann noch das Wetter Kapriolen und bringt Starkregen und Kälte zur Schlupfzeit, vernässt das flaumige Gefieder und die Jungvögel erfrieren. Erschwerend kommt der allgemeine Nahrungsmangel durch das massive Insektensterben hinzu. Die Wiesenbrüter haben es also nicht leicht – genau wie ihr Lebensraum: Deutschlandweit gibt es nur noch vier Prozent artenreiches Grünland, darunter fallen beispielsweise artenreiche Streuwiesen oder magere Flachlandwiesen. Diese wenigen verbliebenen Biotoptypen, ein wertvoller Lebensraum nicht nur für Wiesenbrüter, sind inzwischen als von unmittelbarer Zerstörung bedroht eingestuft und werden auf der Roten Liste gefährdeter Biotope geführt. Der Schutz dieser artenreichen Wiesen ist nun im Bayerischen Naturschutzgesetz verankert. „Die Umsetzung des Schutzes dieser wenigen Restflächen muss nun unbedingt sichergestellt werden“, erinnert Wölfl.

 

 

Junge Rinder auf der Weide, bäuerliche Landwirtschaft wie aus dem Bilderbuch?? Foto: O. Wittig
Junge Rinder auf der Weide, bäuerliche Landwirtschaft wie aus dem Bilderbuch?? Foto: O. Wittig

Die traditionelle kleinbäuerliche Landwirtschaft mit bis zu 30 Kühen und hofeigener Heufütterung sei zurückgedrängt worden. „Man konnte in den letzten 15 Jahren zusehen, wie immer größere Laufställe aus dem Boden sprossen. Vor allem seit dem Fallen der Milchquote 2015 hat sich die Intensivierung der Landwirtschaft noch weiter verschärft“, beschreibt Wölfl die Problematik. Der Trend ginge zu Laufställen für 100 bis 500 Hochleistungskühe. Die heutigen modernen Zuchtlinien bringen es auf 10 000 Kilogramm Milch pro Kuh pro Jahr, die doppelte Milchleistung wie noch vor 30 Jahren. Möglich ist das nur mit einer eiweißreichen Fütterung mit Mais, Soja oder Grassilage. Die Crux dabei: Silage lässt sich nur aus jungem, kurzem Gras gewinnen. Infolgedessen werden die Wiesen im Schnitt fünf bis sieben Mal gemäht, was mit der Brut- und Aufzuchtzeit der Vögel kollidiert. Innerhalb so einer Betriebsausrichtung können auch Fördergelder nicht überzeugen, die gezielte Agrarumweltmaßnahmen wie spätere Schnittzeitpunkte und den Verzicht auf Düngung honorieren. Rund 500 Euro gibt es je nach Schnittzeitpunkt und Düngeverzicht pro Hektar, ist auf der Webseite des Landratsamt Bad Tölz zu den Fördersätzen des Vertragsnaturschutzprogramms zu lesen. Doch je länger Wiesen wachsen, desto mehr Eiweiß verlieren sie und desto mehr Kohlenstoff wird darin gefestigt, es entsteht raufaserhaltiges Heu. Und das reicht den modernen Zuchtrassen nicht aus. Intensiv-Landwirte brauchen ihre Flächen für Silage und das Ausbringen der anfallenden Gülle. Umweltverbände und Wissenschaftler sind sich einig: Um das Artensterben aufzuhalten, ist eine Änderung der Wirtschaftsweise notwendig, und zwar mit einer kompletten Neuausrichtung der europäischen Agrarpolitik. Förderungen sollten nicht mehr pauschal pro Fläche vergeben werden, sondern für das naturverträgliche Bewirtschaften. Dazu brauchen Landwirte attraktive Fördersätze und Konzepte, die ihnen echte Anreize bieten, sowie eine langfristige Investitionssicherheit.

 

Landwirte und Bodenbrüter leiden

Seit 2017 erforschen Wolfgang Goymann und Martin Küblbeck, wie die gefährdeten Braunkehlchen im Naturschutzgebiet Murnauer Moos besser geschützt werden können. „Immer kleinere Rückzugsgebiete und das Wegfallen strukturreicher, extensiv genutzter Wiesen mit Ansitzmöglichkeiten für die Insektenjagd haben zu einem besorgniserregenden Rückgang geführt. Kleine Restpopulationen sind anfälliger für zufällige Ereignisse wie Wetterextreme als gesunde“, sagt Ornithologe Goymann. „Den Schwarzen Peter dürfen wir jedoch nicht den Landwirten zuschieben. In der gemeinsamen Agrarpolitik sind sie ein Stück weit gefangen.“ Die Forscher stehen in gutem Kontakt mit den Landwirten im Gebiet. Auch die Bauern, die helfen wollen, sind oft gefangen: „Ein Landwirt versicherte uns, dass er kein Problem hätte, seine Wiesen nur ein- oder zweimal zu mähen, wenn er mit der Hälfte der Kühe überleben würde“, erklärt Goymann. Intensiv bewirtschaftete Flächen zu extensivieren, ist bei den aktuellen Fördersätzen aber für viele Landwirte keine Option. Die Politik müsse sich ändern. „Solange arbeiten wir mit den Landwirten an pragmatischen Lösungen: Mit dem Stehenlassen möglichst vieler Brachestreifen könnten wir zusätzlichen Lebensraum gewinnen, den die Braunkehlchen hoffentlich zum Brüten annehmen“, sagt der Wissenschaftler. Wiesenbrüterschutz erfordert von Gebiet zu Gebiet individuelle Konzepte. Zum Beispiel auf Moorböden, deren intensive Bewirtschaftung und Entwässerung bodenschädigend und klimaschädlich ist, sieht Vogelschützerin Elisabeth Wölfl großes Potenzial in der Förderung ökologischer Beweidungsprojekte. Mit Tieren, die allein mit dem Gras der Fläche auskommen, wie traditionelle Rinderrassen, Schafe oder Ziegen. „Auch die Mutterkalbhaltung mit Heufütterung beispielsweise, Direktvermarktung von Bioprodukten der Höfe in Kombination mit Urlaub auf dem Bauernhof, Heuverkauf an Pferdehöfe oder Bildungsangebote sind Möglichkeiten, wie eine naturverträgliche Nutzung gelingen kann“, so Wölfl. „Ökolandwirte in unserer Region und andere engagierte Kleinbetriebe leben das bereits vor.“ Mit Landwirten müssten Konzepte entwickelt werden, die Vielfalt und lokale Märkte schaffen, die auf Qualität statt Quantität setzten. Das müsse der Verbraucher unterstützen.

Schutz mit Tradition

Aktiv für den Schutz von Wiesenbrütern und Landschaft, die Steuerungsgruppe der Loisach-Kochelsee-Moore
Aktiv für den Schutz von Wiesenbrütern und Landschaft, die Steuerungsgruppe der Loisach-Kochelsee-Moore

 

Es gibt viel zu tun. Zum Glück hat der Wiesenbrüterschutz in Bayern eine lange Tradition. Neben der Wiesenbrüter-Taskforce wäre da noch das Artenhilfsprogramm Wiesenbrüter zu nennen. Solchem Engagement sind gute Nachrichten zu verdanken: Langjährig betreute Gebiete zeigen, dass sich Bestände stabilisieren können. Gerade dort, wo sich ausgebildete Ansprechpartner vor Ort als Bindeglied zwischen Naturschutzbehörden und Landwirten einsetzen, Vertrauen aufbauen und ein Mosaik aus kurz- und langfristigen Schutzmaßnahmen umsetzen. Der Koordinator des Wiesenbrüterschutzes Tim Korschefsky vom Bayerischen Landesamt für Umwelt an der Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen mahnt aber zu weiteren Anstrengungen: „Haben die Wiesenbrüter einmal ihre angestammten Brutplätze verlassen, ist die Wiederansiedlung in der Regel schwer“, so der Landschaftsökologe. Und die Zeit drängt. „Die kommende Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU bietet dafür große Chancen.“ Für den Brachvogel und all die anderen Spezialisten von der Wiese.

 

 

Autorin Bettina Kelm begleitete ein Jahr lang erfolgreiche Wiesenbrüter- projekte und ist inzwischen selbst im Schutz tätig.